Klinische Studien

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Studie zur Wirksamkeit von Alexander-Technik Unterricht (AT), klassischer Massage und leichter sportlicher Bewegung bei Patienten mit chronischen bzw. rezidivierenden Rückenschmerzen
(Randomised controlled trial of Alexander technique lessons, exercise, and massage (ATEAM) for chronic and recurrent back pain)

abstract Studie im British Medical Journal
Prof. Paul Little et al, Primary Medical Care Group, Community Clinical Sciences Division, University of Southampton
British Medical Journal, 2008 (BMJ 2008;337;a884 doi:10.1136/bmj.a884)

Methode: Von Juli 2002 bis Juli 2004 wurde aus 64 allgemeinmedizinischen Praxen im Südwesten Englands eine Gruppe aus 579 Patienten mit chronischen bzw. rezidivierenden lumbalen Rückenschmerzen zusammengestellt.

Sie wurden nach dem Zufallsprinzip vier Gruppen zugeteilt:

• Kontrollgruppe – übliche allgemeinmedizinische Behandlung (144 TN)
• sechs (6) klassische Massage-Einheiten (147 TN)
• sechs (6) Alexander-Technik-Stunden (144 TN)
• vierundzwanzig (24) Alexander-Technik Stunden (144 TN)

Je die Hälfte dieser vier Gruppen erhielt zusätzlich eine ärztliche Verordnung zu einem individuellen Bewegungsprogramm mit drei Beratungssitzungen bei einer medizinischen Fachkraft. Somit entstanden acht unterschiedliche Untersuchungsgruppen.

Die Wirkung der untersuchten Methoden wurde primär anhand von zwei Größen verglichen:

1. einem Fragebogen, bestehend aus 28 Fragen zur Erfassung von Tätigkeitseinschränkungen aufgrund der Rückenschmerzen (Roland-Morris Disability Questionnaire) und

2. der Ermittlung der Anzahl der Schmerztage innerhalb der letzten vier Wochen vor der jeweiligen Befragung.
Messungen wurden unmittelbar vor der ersten Behandlung, drei Monate und ein Jahr nach Beginn der Versuchsreihe durchgeführt.

Ergebnisse nach einem Jahr:

Keine signifikanten Veränderungen innerhalb der Kontrollgruppe.

24 Unterrichtsstunden Alexander-Technik  erzielten die größte positive Wirkung: Nur noch 3 Schmerztage pro Monat (eine Verringerung um 86%) gegenüber 23 Schmerztagen in der Kontrollgruppe sowie eine Verminderung der Tätigkeitseinschränkungen um 42%. Das Bewegungsprogramm kombiniert mit 24 Stunden Alexander-Technik brachte keine Verbesserung der Ergebnisse im Vergleich mit 24 Stunden Alexander-Technik ohne weitere Maßnahmen.

6 Unterrichtsstunden Alexander-Technik kombiniert mit dem Bewegungsprogramm erzielten 72% der positiven Wirkung, die mit 24 Stunden Alexander-Technik erreicht wurde.

6 Massage-Einheiten kombiniert mit dem Bewegungsprogramm erzielten eine Reduzierung der Schmerztage um 33%. Eine Verbesserung bei den Tätigkeitseinschränkungen zeigte sich nur bei der Messung nach drei Monaten, nicht jedoch als Langzeiteffekt bei der Messung nach einem Jahr.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Unterricht in der Alexander-Methode einen nachhaltigen positiven Effekt aufzeigt, indem er die Schmerztage pro Monat signifikant verringert und die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten erhöht.

„Dies ist ein bedeutender Schritt vorwärts in der Langzeitbehandlung von Rückenschmerzen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Alexander-Technik Rückenschmerzen lindern kann. Dem Anschein nach geschieht dies durch eine Verringerung der Muskelspannung, Stärkung der Aufrichtemuskulatur, verbesserte Koordination und Beweglichkeit sowie Druckentlastung der Bandscheiben. Für die Patienten bedeutet es, dass sie in ihren Aktivitäten oder Aufgaben weniger durch Schmerzen eingeschränkt sind.“

Prof. Paul Little, Universität Southhampton
Leiter des Forscherteams

 

 

Neueste Studie:

Quelle : Aerzteblatt.de
Medizin
Akupunktur und Alexander-Technik lindern Nackenschmerzen in Vergleichsstudie
Dienstag, 3. November 2015

dpa
York – Akupunktur und Alexander-Technik, zwei komplementärmedizinische Ansätze mit einer von der „Schulmedizin“ häufig bezweifelten Wirkung, waren in einer rando¬misierten klinischen Studie in den Annals of Internal Medicine (2015; 163: 653-662) einer konventionellen hausärztlichen Behandlung überlegen.

Chronische Nackenschmerzen haben häufig funktionelle Ursachen. Muskuläre Verspannungen durch monotone, unphysiologische Körperhaltungen, beispielsweise am Bildschirmarbeitsplatz oder in der Fließbandfertigung, können „hartnäckige“ Schmerzen auslösen, die sich häufig einer konventionellen Therapie mit Schmerzmitteln und einer Physiotherapie widersetzen.

Viele Patienten greifen zu komplementären Therapien wie Akupunktur oder Alexander-Technik. Die Akupunktur versucht, den Schmerz durch den Einstich von Nadeln in Meridiane zu lindern.

Die Alexander-Technik setzt auf eine Schulung, die den Patienten erklärt, wie sie unnötige Muskelspannungen im Laufe des Tages vermeiden, die Körperhaltung verbessern und Stress abbauen können. Beide Ansätze gelten derzeit nicht als evidenzbasiert. Dies könnte sich jedoch ändern, denn die Studie, die Hugh MacPherson von der Universität York in England und Mitarbeiter durchführten, folgt den Regeln der evidenzbasierten Medizin.

An der Studie nahmen 517 Personen teil, die seit mindestens drei Monaten unter Nackenschmerzen litten, dessen Schweregrad im Northwick Park Questionnaire (NPQ) mit mindestens 28 Prozent angegeben wurde (wobei eine höhere Prozentzahl stärkeren Beschwerden entspricht). Patienten mit ernsthaften Schäden der Halswirbelsäule oder solche, die bereits operiert worden waren, waren von der Teilnahme ausgeschlossen. Weitere Ausschlusskriterien waren eine rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew, Osteoporose sowie Krebs und andere schwere Erkrankungen.

MacPherson und Mitarbeiter randomisierten die Teilnehmer auf drei Gruppen. In der ersten erhielten die Patienten zwölf 50-minütige Akupunktursitzungen (von denen im Durchschnitt zehn besucht wurden). Die zweite Gruppe wurde zu zwanzig 30-minütigen Eins-zu-Eins-Fortbildungen in der Alexander-Technik eingeladen (die Patienten nahmen im Durchschnitt an 16 Sitzungen teil). In der dritten Gruppe wurden die Patienten vom Hausarzt behandelt, der ihnen Schmerzmittel oder eine Physiotherapie verschreiben konnte. Akupunktur und Alexander-Technik erfolgten durch ausgebildete Mitglieder der britischen Fachgesellschaften dieser Therapien.
Primärer Endpunkt waren die Veränderungen im NPQ nach 12 Monaten. Zu den sekundären Endpunkten gehörte die Einschätzung der Patienten zur Wirksamkeit in einer „Self-Efficacy“-Skala, einem Fragebogen zur Selbstwirksamkeitserwartung.

In beiden Parametern waren die komplementär-medizinischen Therapien der konven¬tionellen Behandlung überlegen.
Der NPQ-Score wurde durch die Akupunktur um 3,92 Prozentpunkte stärker gesenkt als durch die konventionelle Therapie. Ein Unterschied war mit einem 95-Prozent-Konfidenz-intervall von 0,97 bis 6,87 Prozentpunkte signifikant. Bei der Alexander-Technik betrug der absolute „Vorsprung“ gegenüber der konventionellen Therapie 3,79 Prozentpunkte. Bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,91 bis 6,66 Prozent¬punkte wurde das Signifikanzniveau hier verfehlt. Der relative Unterschied im NPQ-Score zum Zustand vor der Therapie betrug bei der Akupunktur 32 Prozent und bei der Alexander-Technik 31 Prozent.

Auch in der „Self-Efficacy“ waren Akupunktur und Alexander-Technik der konventi¬onellen Behandlung überlegen. Die Unterschiede betrugen bei der Akupunktur 3,34 Prozentpunkte (2,31-4,38) und bei der Alexander-Technik 3,33 Prozentpunkte (2,22-4,44). Die Vorteile der beiden Therapien waren damit statistisch signifikant. Schwere Nebenwirkungen traten unter keiner der drei Behandlungen auf.

Da die Behandlungen nach vier oder fünf Monaten abgeschlossen, die Wirkung aber noch nach einem Jahr nachweisbar war, hält MacPherson einen Placebo-Effekt für unwahrscheinlich. Möglich bleibt aber, dass die im Vergleich zu den gelegentlichen Hausarztbesuchen ingesamt intensivere Betreuung an der Wirksamkeit der beiden komplementären Therapien beteiligt war, was aber den Wert der Therapie für die Patienten nicht schmälern dürfte. © rme/aerzteblatt.de

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